Gustav Deiters aus Ibbenbüren, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen und Sprecher der Initiative In|du|strie

Industrie-Hochburgen sitzen auf dem Land

Dienstag 23. Sep. 2014

IHK-Auswertung zeigt Sassenberg weit vorn

Münsterland / Emscher-Lippe-Region. - Sassenberg im Kreis Warendorf ist die Industrie-Hochburg Nord-Westfalens. Sechs von zehn Erwerbstätigen in der 14.000-Einwohner-Stadt sind im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigt (62 Prozent), hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen ausgerechnet. In keiner anderen Kommune im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region ist der Anteil der Industriebeschäftigten höher. "Sassenberg macht deutlich, wo die Industrie in Nord-Westfalen am stärksten ist: Auf dem Land!", erklärt Gustav Deiters, IHK-Vizepräsident und Sprecher der Initiative In|du|strie.

"Dieses Ergebnis überrascht selbst Kenner der Region immer noch", sagt Deiters, obwohl mit  Oelde (56 Prozent), Rosendahl (55 Prozent), Mettingen (55 Prozent) und Vreden (54 Prozent) auch die nachfolgenden Industriestandorte "voll ins Bild passen". Auf Grundlage der aktuell verfügbaren Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hat die IHK die Industriebeschäftigung in ihren 78 Städten und Gemeinden im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region aktuell ermittelt. Das Ergebnis: Etwa 3000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes beschäftigten zum Jahreswechsel 2013/2014 knapp 172.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Damit arbeiteten im IHK-Bezirk rund 21 Prozent aller Erwerbstätigen in Industriebetrieben, was dem nordrhein-westfälischen Landesdurchschnitt entspricht.

Zwar sind absolut gesehen in größeren Städten wie Gelsenkirchen (13.900) oder Münster (13.200) mehr Menschen in der Industrie beschäftigt als in kleineren Orten. Doch machen diese Arbeitsplätze in der Regel nur einen kleinen Teil der Gesamtbeschäftigung in den großen Städten Nord-Westfalens aus. Einen hohen Industrieanteil weisen dagegen oft kleinere Städte und Gemeinden auf, wo überdurchschnittlich viele Stellen durch meist mittelständische Industrieunternehmen geschaffen werden.

"In 49 von 78 Kommunen schafft die Industrie jeweils über 1000 Arbeitsplätze und bildet damit eine sichere Beschäftigungsgrundlage auch in kleineren Orten", so Gustav Deiters.

Die vielen kleinen Industriestandorte gelten neben der Vielfalt der Branchen und der Vielzahl kleiner Unternehmen als eine wichtige Säule der regionalen Wirtschaftsstruktur. "Es ist schon erstaunlich, wie sich die sogenannten Hidden Champions tatsächlich übers Land verteilen und regelrecht in der Region verstecken", sagt Deiters. Es müsse vor Ort und in den Entscheidungszentralen der Politik alles dafür getan werden, "dass diese gesunde Struktur erhalten bleibt".

Gerade die vier Landkreise im Münsterland liegen beim Industrieanteil an allen Arbeitsplätzen teils weit über dem Durchschnitt in ganz Nord-Westfalen (s. unten). "Das Münsterland ist eine Industrieregion", macht der Unternehmer aus Ibbenbüren deutlich, "was manchmal vergessen wird", wenn es um die Frage gehe, woher der wirtschaftliche Erfolg komme und wie er auch zukünftig zu sichern sei.

Deiters unterstreicht deshalb die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes für die Region: "Die Industrie ist Motor der wirtschaftlichen Entwicklung und ein zentraler Grund, warum es Deutschland derzeit besser geht als vielen anderen Volkswirtschaften." Wenn dieser Motor aber nicht rundlaufe, habe das spürbare Auswirkungen auch auf den Handel oder die Dienstleistungsbranchen. Letztendlich setze sich der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft weiter fort. "Doch ein global wettbewerbsfähiger industrieller Kern, der gute Standortbedingungen vorfindet, muss auch in Nord-Westfalen erhalten bleiben", fordert der IHK-Vizepräsident, sonst sei das Wohlstandsniveau nicht zu halten.

Ergebnisse der IHK-Auswertung zur Industrie-Beschäftigung in den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten:

Die kreisfreien Städte im IHK-Bezirk Nord Westfalen haben unterdurchschnittliche Industrieanteile bei der Beschäftigung: Gelsenkirchen erreicht mit ihren 13.900 Jobs immerhin noch 19 Prozent. Münster kommt mit 13.200 Beschäftigten sogar nur auf neun Prozent aller Erwerbstätigen. Bottrop liegt bei 13 Prozent, hier arbeiten 4.028 Menschen in der Industrie. Die kreisfreien Städte stellen damit nicht einmal ein Fünftel aller Industrie-Arbeitsplätze – 82 Prozent dieser Jobs sind in den fünf Landkreisen Nord-Westfalens zu Hause.

Unter den Kreisen führt beim Anteil der Industriebeschäftigten der Kreis Warendorf. Seine 30.427 Arbeitsplätze in der Industrie machen 37 Prozent aller Jobs im Kreis aus. Hier liegen die Städte Sassenberg und Oelde mit ihren Industrieanteilen von 62 und 56 Prozent vorne. Aber auch in Ennigerloh (45%), Ostbevern (44%) und Sendenhorst (41%) liegen die Quoten noch doppelt so hoch wie der Durchschnitt im IHK-Bezirk. Absolut gesehen bietet Oelde mit 6.259 Jobs die meisten Industrie-Arbeitsplätze im Kreis, gefolgt von Beckum (5.712), Ahlen (4.426), Ennigerloh (2.448) und Sassenberg (2.336). In der Kreisstadt selbst sind mit 1.529 Arbeitsplätzen nur 13 Prozent der Jobs in der Industrie zu Hause. 

Im Kreis Borken arbeiten 40.590 Beschäftigte in Industrie-Betrieben, das entspricht einem Anteil an der Gesamtbeschäftigung von 32 Prozent. Besonders hoch liegt dies Quote in Vreden (55%), Südlohn (46%), Isselburg (44%), Stadtlohn (42%) und Schöppingen (39%). Viele solcher Arbeitsplätze gib es in Bocholt (9.299), Ahaus (5.536), Vreden (4.862), Gronau (4.056) und die Kreisstadt Borken (3.337). Bocholt ist immerhin die Stadt mit den drittmeisten Industrie-Arbeitsplätzen in ganz Nord-Westfalen.

Auch im Kreis Steinfurt haben die eher kleineren Städte meist den höheren Industrieanteil. Dieser liegt im ganzen Kreis bei 25 Prozent, insgesamt arbeiten hier 33.760 Personen in der Industrie. Mit Mettingen (55%) schafft es eine Stadt sogar in die Top Fünf in ganz Nord-Westfalen. Darüber hinaus kommen Lengerich (44 %), Altenberge (42 %), Saerbeck (41%) und Hörstel (40 %) auf hohe Werte. Absolut gesehen die meisten industriellen Arbeitsplätze im Kreis stellt die Stadt Emsdetten (4.452), gefolgt von Rheine (4.206), Lengerich (3.887), Ibbenbüren (3.029) und Hörstel (2.210). Die Kreisstadt Steinfurt liegt in der Statistik unter dem Durchschnitt: Die 1.158 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe machen hier nur 12 Prozent aller Arbeitsverhältnisse aus. 

Im Kreis Coesfeld erreichen 14.218 Erwerbstätige im verarbeitenden Gewerbe einen Industrieanteil von 24 Prozent. Die höchsten Anteile haben hier Rosendahl (55 %), Olfen (33 %), Billerbeck (29 %), Dülmen und Lüdinghausen (beide 24%). Einen Anteil von 22 Prozent Industriebeschäftigung weist die Kreisstadt Coesfeld auf, wo mit 3.479 Menschen absolut gesehen die meisten Menschen eine Anstellung in der Industrie haben. Danach folgen Dülmen (2.878), Lüdinghausen (1.644), Rosendahl (1.490) und Billerbeck (832).

Der Kreis Recklinghausen erreicht bei der Industriebeschäftigung unterdurchschnittliche Werte: Sein Industrieanteil liegt bei 14 Prozent (21.448 Beschäftigte). Heraus sticht Oer-Erkenschwick mit 29 Prozent. Ebenfalls höher ist die Quote in Gladbeck (23 %), Datteln (16 %), Castrop-Rauxel (15 %) und Haltern am See (15 %). Absolut gesehen liegt Marl* mit 4.223 Arbeitsplätzen klar vor Gladbeck (3.558), Recklinghausen (3.501), Castrop-Rauxel (2.151) und Dorsten (1.966).

* Hinweis:

Die von der IHK Nord Westfalen ausgewertete Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die Mitte 2014 veröffentlicht wurde, gibt insgesamt den Stand 31.12.2013 wieder. Gerade für Marl ist mit Veröffentlichung der nächsten Jahresstatistik aufgrund der Verschmelzung von zwei großen Unternehmen im April 2014 mit deutlich mehr Industriebeschäftigten zu rechnen.

Internet-Tipp:

Listen aller 78 Städte und Gemeinden des IHK-Bezirks Nord Westfalen mit den Beschäftigtenzahlen in der Industrie und insgesamt: www.ihk-nordwestfalen.de/P1317

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