35 Azubis von sechs Industrieunternehmen werden von Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen Herr Baranowski begrüßt. Stellvertretend hier mit Lars Baumgürtel, Geschäftsführenden Gesellschafter der Voigt & Schweitzer-Gruppe.

Soziales Engagement Gelsenkirchener Unternehmen

Dienstag 20. Sep. 2016

Perspektivwechsel: Sechs Gelsenkirchener Unternehmen planen gemeinsam mit der IHK Nord Westfalen einen stadtweiten Social Day, an dem 35 Auszubildende in zwölf Einrichtungen an einem Tag karitative Dienste leisten. Und nicht nur das Wetter spielte an diesem 13. September mit.

Normalerweise werden solche Projekte Monate im Vorfeld geplant, dieses Mal ging alles sehr schnell. Also stand die Idee zwar vor rund drei Wochen tatsächlich noch auf einem Gesprächspapier, aber nun haben die Unternehmen thyssenkrupp Electrical Steel, ZINQ, BP, Masterflex, Küppersbusch Großküchentechnik und Nonomo kurzen Prozess gemacht – und alle Beteiligten spielten mit. Auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski hat kurzfristig zugesagt, den Tag gemeinsam mit Azubis und Unternehmen im Hans-Sach-Haus zu starten. Und so richteten sich seine Begrüßungsworte am Morgen des 13.9. auch in erster Linie an die jungen Erwachsenen aus den Ausbildungsreihen: "Ich freue mich, dass Sie heute einen Perspektivwechsel vornehmen und in neue Berufswelten reinschnuppern. Gerade in den sozialen Bereichen muss man einfach mit anpacken und ein Gespür für die Arbeit entwickeln." Die Jugendlichen nicken, und wirken zugleich unsicher, im Unwissen auf das was heute mit ihnen passiert. Lars Baumgürtel ist an diesem Tag in Personalunion sowohl als Geschäftsführenden Gesellschafter der Voigt & Schweitzer-Gruppe als auch als Sprecher des IHK-Regionalausschusses dabei. Auch seine Auszubildenden begleiten den Tag. "Ich denke es ist wichtig, dass wir der Gesellschaft auch als Industrie und als Unternehmer etwas zurückgeben. Es wird heute niemand die Welt verändern, und dennoch liefern wir einen wichtigen Beitrag.“

Positive Überraschung

Ein Beitrag, der die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Anschluss an Einsatzorte bringt, die es in sich haben. So sind die Azubis von BP im Flüchtlingsheim in Gelsenkirchen Buer. Eine trostlose Atmosphäre in dem grauen Betonkomplex, der aktuell beinahe verlassen wirkt. Vereinzelt hört man fremdartige Sprachen, und auch die Aushänge sind vielsprachig verfasst. Hier soll eine Wohnung renoviert werden. Pinsel, Rollen und Farben liegen für die 6 Auszubildenden bereit. Eigentlich eine ganz normale Arbeitsatmosphäre, wäre da nicht das Bewusstsein für den besonderen Ort. Jakup Terim dazu: „Niemand von uns war vorher jemals in einem Flüchtlingsheim, und irgendwie fuhren wir auch mit einem mulmigen Gefühl hierhin. Aber wir waren total positiv überrascht – auch von den wenigen Bewohnern die uns begegneten und die uns einfach nur freundlich angelächelt haben.“ Es ist wie Baranowski vorhersagte, ein Perspektivwechsel der besonderen Art. Nah dran. Und damit auch unausweichlich.

Viel Gutes

Wenn man so will hatten es die thyssenkrupp Electrical Steel-Azubis leichter, als sie die Zäune im Mini-Kita Musikzirkus strichen. Ihre Beobachter waren zwischen zwei und sechs Jahre alt. In gelöster Atmosphäre zogen sie eine Farbbahn nach der anderen und das ganze unter freiem Himmel. „Na klar, war das anstrengend, alleine schon auf Grund der sengenden Sonne. Trotzdem hat es uns Spaß gemacht. Es ist einfach schön, anderen zu helfen“, meint der Azubi Daniel Wentze. Wenige Kilometer weiter strichen die ZINQ-Azubis die Überdachung der Frühstücksterrasse. Ein entspanntes Miteinander. Die stellvertretende Leitung des Kindergartens Anke Makovka: „Die jungen Leute tun gerade ganz viel Gutes für uns, und darüber freuen wir uns wirklich sehr. Bis jetzt mussten wir für solche Arbeiten immer etwas bezahlen, heute genießen wir die Möglichkeit durch den Social Day mal in den Genuss einer kostenlosen Leistung zu kommen.“

An einem Strang


Das gesamte Projekt ist Teil der Industrie-Akzeptanz-Offensive, die die IHK Nord Westfalen vor sechs Jahren mit dem ehrenamtlichen Gremium Industrieausschuss startete. Eine starke Idee, die Industrie wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken will. Oder anders formuliert: Industrie soll in der breiten Bevölkerung wieder mehr akzeptiert werden – daher der Name. Dienstleistung ist gut – Industrie aber auch. „Die Akzeptanz-Offensive hat viele gute Kommunikationsformate hervorgebracht, eine davon ist der Social Day“, erklärt Markus Lübbering von der IHK Nord Westfalen. Es ist auch ein Verdienst der Kammer, die Unternehmen an einen Tisch gebracht zu haben und mit Hau-Ruck diesen Social Day aus dem Boden gestampft zu haben. Diese haben es allerdings gleichsam unbürokratisch und schnell umgesetzt. Ein gutes Beispiel für echtes Miteinander.

Bewusstseinserweiterung

Am Ende des Tages waren die Auszubildenden bei mehreren Standorten der Tafel aktiv und sortierten u. a. Gemüse, strichen Spielgeräte in Kindergärten an, kümmerten sich andernorts um die Grünarbeiten und räumten die übervolle Laube in einer Einrichtung der Lebenshilfe auf. Sechs Stunden hatten alle Azubis Zeit. Ein knappes Fenster für viel gute Arbeit. Und anschließend trafen sich alle auf dem Gelände von Voigt & Schweitzer bei Grillwurst und Salat. Plötzlich kamen sich die Azubis nach der ungewöhnlichen Arbeit wirklich näher und tauschten sich über ihre bunten Erlebnisse aus. Auch die Unternehmen saßen entspannt am Tisch und stellten fest, dass es ein ungewöhnlicher Tag war, wie auch Christine Neubauer von Masterflex erklärt: „Ich glaube schon, dass unsere jungen Mitarbeiter manche Dinge nun bewusster wahrnehmen. Es ist einfach wichtig zu erkennen, dass es nicht jedem so gut geht wie einem selbst und dass es gerade deshalb wichtig ist, sich auch mal zu engagieren.“

Um 17 Uhr endet der Social Day. Die Sonne hat die Arbeiten gnadenlos begleitet und die jungen Akteure geschafft. Aber niemand wirkt lustlos. Die Anspannung des Tages wirkt fort. Ein starkes Stück Unternehmensinitiative. Und tatsächlich ein Perspektivwechsel der besonderen Art.

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