Markus Grewe, Sofia Beisel und Dr. Götz Kröner (v.l.) präsentieren stolz den Zöliakieausweis für Kinder. Ben (6) darf dafür den Scheck halten. Foto: Henning Meyer-Veer

Ein Ausweis für den kleinen Ben

Mittwoch 23. Nov. 2016

Kröner Stärke finanziert ein Projekt der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft

IBBENBÜREN. Ben ist sechs Jahre alt, und allmählich wird er ungeduldig. Es ist aber auch nicht angenehm, still danebenzusitzen, wenn die Erwachsenen sich unterhalten. Und von den Keksen darf er auch nicht naschen, denn Ben leidet an Zöliakie.

Doch genau das ist der Grund, warum Ben an diesem Tag im Konferenzraum der Firma Kröner Stärke sitzt. Zöliakie – eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten beruht. Und im Kampf gegen diese Krankheit engagiert sich die Firma Kröner. Firma und Belegschaft haben die komplette Finanzierung eines Zöliakieausweises der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) für Kinder übernommen. Und den dafür nötigen Scheck in Höhe von 1400 Euro, den reckte Ben in die Kamera.

Zöliakie ist tückisch, denn Gluten kommt in zum Beispiel Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste vor – also in nahezu allen gängigen Getreidesorten. Getreidesorten, die auch bei der Stärkeproduktion im Hause Kröner verwendet werden.

„Schon seit langen Jahren“, so Geschäftsführer Dr. Götz Kröner, engagiere sich seine Firma für Zöliakiekranke. Es sei seiner Firma ein Anliegen – „aus Überzeugung“. Das Engagement für den Zöliakieausweis entstand bei der Fußball-EM im Sommer. „Wir hatten von der Belegschaft ein Tippspiel gemacht, wollten das gesammelte Geld aber nicht an einen Gewinner verteilen, sondern was Gutes tun“, sagt Markus Grewe. Schnell stieß man auf den Zöliakieausweis, und die Firmenleitung stockte den Betrag am Ende soweit auf, dass das Projekt komplett finanziert werden konnte.

Sofia Beisel von der DZG findet das gut. „Das freut uns natürlich.“ Gedacht sind diese Ausweise für die Zielgruppe Kindergarten und Schule. „Gewissermaßen wie ein Freundebuch“, so Beisel. „Kinder können so anderen Kindern auf einfache Weise erklären, was beachtet werden muss – auf Augenhöhe.“ Zum Beispiel auf einem Kindergeburtstag, auf Klassenfahrt oder im Ferienlager. Alle notwendigen Informationen zur Zöliakie sind dort komprimiert zusammengefasst, vor allem natürlich die persönlichen Daten, was man essen darf, und was eben nicht. 2000 Exemplare sind vorerst aufgelegt worden. Nicht ausgeschlossen, dass es eine weitere Auflage gibt. Die Verteilung erfolgt über die DZG.

Dr. Götz Kröner weiß, was die Krankheit für Menschen bedeutet, und weiß auch, dass man eigentlich wenig dagegen tun kann. „Die einzige ‚Behandlung‘“, so Kröner, „ist wirklich, sich glutenfrei zu ernähren.“ Also: totaler Verzicht. Das müsse aber nicht zwangsläufig den totalen Verzicht auf Backwaren bedeuten, so Kröner. Mit glutenfreier Stärke ließe sich mittlerweile auch Brot herstellen, dass sich geschmacklich kaum von normalem unterscheide. Deren Herstellung ist ein hochkomplizierter Prozess, vor allem, wenn es auf natürlichem Wege erfolgen soll. „Wir sind in Europa und ich denke auch in der Welt die einzigen, die in der Lage sind, auf natürlichem Wege eine glutenfreie Weizenstärke herzustellen“, so Kröner mit Stolz.

Ben dürfte das gefallen, denn solche Kekse darf er essen. Und dann ist es auch nicht so schlimm, wenn die Erwachsenen so lange quatschen.

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