Dr. Benedikt Hüffer

"Industrieregion braucht sichere Energie"

Mittwoch 04. Apr. 2012

IHK-Umfrage: Betriebe wollen Energieverbrauch senken

Münsterland/Emscher-Lippe-Region. - Steigende Energie- und Rohstoffpreise sind für die Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region das Konjunkturrisiko Nummer eins. Für den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen ist das keine Überraschung: "Wir sind eine starke Industrie- und Logistikregion und deshalb auf eine sichere Versorgung mit Energie und Rohstoffen angewiesen", erläuterte Dr. Benedikt Hüffer dieses Ergebnis einer IHK-Umfrage, das er auf der Jahrpressekonferenz gestern (3. April) in Münster vorstellte. Danach sieht jedes zweite Unternehmen in der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise die größte Bedrohung für zukünftiges Wirtschaftswachstum. "Energie und Rohstoffe für morgen" heißt auch deshalb das Jahresthema der IHK Nord Westfalen.

Während die IHK die Unternehmen derzeit verstärkt darüber informiert, wie sie Rohstoffe und Energie möglichst effizient nutzen und zur Wiederverwertung bringen können, will sie gegenüber Politik und Verwaltung "mit Nachdruck verdeutlichen, wie abhängig unser wirtschaftlicher Erfolg von einer sicheren Energie- und Rohstoffversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist", betonte Hüffer.

Gerade erst hat sich die Vollversammlung, in der sich rund 90 gewählte Unternehmerinnen und Unternehmer im Gesamtinteresse aller Betriebe der Region engagieren, mit neuen energiepolitischen Positionen an die Politik gewandt. "Wir Unternehmer wollen die Energiewende mitgestalten, aber wir brauchen Planungssicherheit", begründete der IHK-Präsident die Forderungen der Wirtschaft. Sie pocht unter anderem darauf, dass ein zentrales Projektmanagement eingesetzt wird, "um die ehrgeizigen Ziele der Energiewende rechtzeitig zu erreichen". Handlungsbedarf sehen die Unternehmen vor allem beim Leitungsbau: "Bis zum Herbst muss der Bundesbedarfsplan für Übertragungsnetze beschlossen sein, nur so kann ein rechtzeitiger Ausbau der benötigten Netzkapazitäten erreicht werden."

75 Prozent der Unternehmen aus allen Branchen wollen nach der IHK-Umfrage auf die steigenden Kosten reagieren. Davon mehr als die Hälfte mit einer Erhöhung der Energie- und Materialeffizienz. Und knapp zwei Drittel der Betriebe sehen auch noch "Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu reduzieren", die meisten (62 Prozent) um bis zu zehn Prozent. Besonders angewiesen auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist offenkundig die nord-westfälische Industrie: Hier sind die Rohstoff- und Energiepreise für mehr als zwei Drittel der Unternehmen die größte Gefahr für die Konjunktur.

Der Spielraum für die Unternehmen, sich dem Kostendruck anzupassen, ist nach IHK-Einschätzung meistens nicht groß. Schon jetzt würden in bestimmten Branchen Investitionsentscheidungen zu Lasten des Standorts Deutschland gefällt. "Die industrielle Basis darf aber nicht gefährdet werden, sie ist gerade für uns sehr wichtig", betonte Hüffer. Der IHK-Bezirk Nord Westfalen gilt mit rund 245.000 sozialversicherungspflichtigen Jobs im produzierenden Gewerbe als die beschäftigungsstärkste Industrieregion in Nordrhein-Westfalen.

"Investitionen müssen sich auch bei uns weiterhin lohnen", forderte Hüffer. "Arbeitsplätze und Wertschöpfung gehen der Region sonst verloren", warnte er und verwies dabei auf die von der IHK koordinierte Akzeptanzoffensive der nord-westfälischen Industrie. Mehr als 200 Unternehmen aus dem gesamten IHK-Bezirk haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Ziel ist es, "das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Industrie als Entwicklungs- und Beschäftigungsmotor ebenso zu stärken wie das Bewusstsein für die notwendigen Standortbedingungen, die die Industrie braucht".

Vor diesem Hintergrund bedauerte Hüffer, dass die Mehrheit der Gladbecker Bürger, die am 25. März am Ratsbürgerentscheid teilgenommen haben, gegen den Ausbau der B 224 zur A 52 gestimmt hat. Die gute Erreichbarkeit über Straßen sei insbesondere für Industrieunternehmen immer noch der wichtigste Standortfaktor. Hüffer hofft jetzt, dass zumindest das Bottroper Teilstück zwischen der A 2 und der A 42 noch gebaut wird. "Dieses Stück hat unserer Meinung nach einen eigenständigen Verkehrswert, indem es die A 2 und die A 42 miteinander verknüpft."

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