Diskutierten über die Rolle der Industrie (von links): Josef Tumbrinck, NABU-Landesvorsitzender, Dirk Böttcher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma Rheinzink, NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Gustav Deiters, Sprecher der nord-westfälischen Akzeptanzoffensive, und IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer

"Rohstoff Akzeptanz zurückgewinnen"

Montag 02. Jul. 2012

Start der 100 Dialoge für Industrie mit Wirtschaftsminister

Münsterland / Emscher-Lippe-Region. – Die nord-westfälische Industrie will einen Rohstoff fördern, der immer seltener wird: die Akzeptanz. Sie zurückzugewinnen ist Ziel der Gesprächsreihe "100 Dialoge für Industrie", die heute (2. Juli) bei Rheinzink in Datteln begann. Damit läuten die rund 250 Industrieunternehmen aus der Emscher-Lippe-Region und dem Münsterland, die sich in der Initiative "In|du|strie. Gemeinsam. Zukunft. Leben." zusammengeschlossen haben, eine neue Phase ihrer Akzeptanzoffensive ein, die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen koordiniert wird.

Die Industrieunternehmen "wissen, dass wir von der Akzeptanz der Menschen vor Ort abhängig sind, aber in unserer Gesellschaft ist nicht ausreichend klar, dass unser aller Wohlstand von einer wettbewerbsfähigen Industrie abhängig ist", betonte der Sprecher der Akzeptanzoffensive, IHK-Vizepräsident Gustav Deiters. "Wenn die Akzeptanz für Industrie weiter sinkt, hat dies gravierende Folgen nicht nur für die Industrie selbst, sondern für die gesamte Volkswirtschaft." Bis Ende März 2013 wollen die Unternehmen "mindestens 100 Anlässe schaffen, um mit den Menschen rund um unsere Betriebe ins Gespräch zu kommen", so der Unternehmer aus Ibbenbüren. Es gehe darum, Zusammenhänge zu verstehen, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und auch voneinander zu lernen.

Zum Start der Dialogreihe erklärte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin: "Der positive Beitrag der Industrie für Wohlstand und Beschäftigung in unserer Gesellschaft ist unbestritten. Wir brauchen eine leistungsfähige und innovationsstarke Industrie, um den globalen ökonomischen und ökologischen Herausforderungen begegnen zu können. Mehr Akzeptanz bei den Bürgern für die Industrie kann man nur mit einer dialogorientierten Politik erreichen."

IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer nutzte die Teilnahme des neuen Wirtschaftsministers, um ihm zu versichern: "Das klare Bekenntnis der Landesregierung zur Industrie und zu akzeptablen Strompreisen freut uns sehr, denn wir sind überzeugt, dass NRW ohne Industrie keine Zukunft haben wird", betonte Hüffer und ergänzte: "Das gilt übrigens für die gesamte Industrie, nicht nur für die, die gegenwärtig besondere Zuneigung genießt."

Der NRW-Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Josef Tumbrinck, erwartet von der regionalen Industrie, dass sie frühzeitig die Belange des Natur- und Klimaschutzes aufgreift. "Wenn wir es gemeinsam schaffen, unsere Artenvielfalt langfristig zu erhalten und die Herausforderung Klimaschutz zu bewältigen, erübrigt sich auch der Streit um einzelne Projekte," betonte Tumbrinck. Der NABU habe in den vergangenen Jahren den Dialog mit Gewerkschaften und der Industrie von sich aus gesucht, um verhärtete Fronten angesichts riesiger Herausforderungen aufzubrechen: "Wir bekennen uns zum Industriestandort NRW, der sich den ökologischen Herausforderungen stellen muss", so der NABU-Landesvorsitzende.

Als Gastgeber des ersten Dialogs und Mitglied der Industrie-Initiative unterstrich der Vorstand der Geschäftsführung der Rheinzink GmbH, Dirk Böttcher, die Notwendigkeit, den Menschen zu vermitteln, "was Industrie heute ist und welche Folgen eine Deindustrialisierung für uns alle hätte". Rheinzink sei sofort bereit gewesen, die Initiative zu unterstützen, "da auch wir die Gefahr sehen, dass die mangelnde Akzeptanz der Industrie ein erhebliches Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland darstellt".

Den Dialog 01 über die Rolle der Industrie und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft führten neben dem neuen NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin und dem NABU-Landesvorsitzenden Josef Tumbrinck: der designierte BDI-Vorsitzende Ulrich Grillo, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Prof. Dr. Michael Hüther sowie der Journalist und Buchautor Prof. Gerhard Matzig.

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