Industrie geht in die Akzeptanzoffensive

Schmitz Cargobull-Vorstandschef Ulrich Schümer ist erster offizieller Botschafter der nord-westfälischen Industrie-Initiative, die am 17. März 2011 in Altenberge (Kreis Steinfurt) gestartet ist. Rund 80 Industrieunternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region haben sich zu der Initiative "In|du|strie" zusammengeschlossen. Sie wollen in den nächsten fünf Jahren das Bewusstsein für die Bedeutung der Industrie als Fortschritts- und Beschäftigungsmotor stärken. Gemeinsam wollen sie erreichen, dass "die Menschen in der Region stolz sind auf das, was ihre Industrie vor Ort leistet", heißt es in der "Altenberger Erklärung", die die Mitgliedsunternehmen der Initiative auch als Bekenntnis zum Standort Nord-Westfalen unterzeichnet haben.

Von einer Akzeptanzoffensive, die sich wie eine Bürgerinitiative "aus dem Kreis der Industrieunternehmen heraus selbst formiert hat", sprach Dr. Benedikt Hüffer, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Die Initiative habe die volle Unterstützung der IHK-Vollversammlung, "denn eine wettbewerbsfähige Industrie ist Voraussetzung für eine insgesamt starke Wirtschaft", betonte der IHK-Präsident.

Hüffer verwies auf die Exporterfolge, die in der Vergangenheit immer Grundlage für einen Aufschwung der Gesamtwirtschaft gewesen seien. Trotz der gerade in den vergangenen Jahren offenkundig gewordenen Zusammenhänge zwischen Wohlstand und Produktion sieht er "die Akzeptanz der Industrie bei den Menschen schwinden" und damit die Gefahr, dass gleichzeitig die Bereitschaft der Unternehmen sinke, weiter in die Zukunft zu investieren.

"Die Akzeptanz und das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, ist deshalb oberstes Ziel", unterstrich Gustav Deiters aus Ibbenbüren, Vorsitzender des IHK-Industrieausschusses und Sprecher der Initiative. Er zitierte aus einer aktuellen Umfrage in der Region, bei der das Image der Industrie mit der Schulnote "Drei" bewertet wurde, und stellte klar: "Das reicht uns natürlich nicht, wir wollen, dass die Menschen die Industrie nicht nur dulden, sondern wissen, was sie an ihr haben und vielleicht sogar begeistert sind – so wie wir!" Eine "gute Zwei" hat sich die Initiative deshalb als klares Ziel gesetzt. Wertschöpfung und Wertschätzung der Industrie sollen wieder stärker in Einklang gebracht werden.

Auch die Industriegegner, vor allem aber die schweigende Mehrheit will die Initiative erreichen und im Dialog mit ihnen "ein realistisches Bild von der Industrie vermitteln", so Deiters. Er betonte: "Es geht uns nicht darum, mit Hochglanzplakaten unser Image aufzupolieren." Vielmehr wollen die Unternehmer "mit den Menschen sprechen, sie in unsere Betriebe einladen, uns ihre Sorgen anhören und sie über unsere Belange informieren". Beispielsweise auch über Ausbildungsberufe in der Industrie.

Beim Thema Nachwuchs in gewerblich-technischen Berufen drückt die Industrieunternehmen der Schuh nämlich in absehbarer Zeit ganz konkret. Das verdeutlichte Ulrich Schümer, der Vorstandsvorsitzende der Schmitz Cargobull AG: "Wir brauchen weiterhin qualifizierte Fachkräfte, damit die Industrie ihre wichtige Rolle in der Gesamtwirtschaft weiterhin erfüllen kann. Die Kampagne bietet für alle Beteiligten die Chance, die Attraktivität von industriellen Berufsbildern in der Gesellschaft zu stärken, sie weiter zu entwickeln und damit den Erfolg mit zu gestalten. In unserem Unternehmen bieten wir zukunftssichere Arbeitsplätze, die qualifizierte Ausbildungen sowie die Bereitschaft ständigen Lernens voraus setzen. Wer gute Schul- und Studiumsabschlüsse sowie die Begeisterung für den Fahrzeugbau mit bringt, dem stehen bei uns alle Karrierechancen in einem europaweit tätigem Unternehmen offen."