Wieland Pieper, Leiter des IHK Projektbüros In|du|strie, Moderatorin Jeanette Kuhn und Gustav Deiters, Sprecher der nord-westfälischen Akzeptanzoffensive (v. l.), präsentieren die kommenden Aktionen der Initiative.

Industrie auf Zukunftskurs

Industriekonvent mit Gästen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Schule bei der Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG in Gelsenkirchen

Mehr Industrie geht nicht. Anlässlich des 125-jährigen Firmenjubiläums der Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG veranstaltete die nord-westfälische Akzeptanzoffensive am 7. Mai 2014 ihren diesjährigen Industriekonvent bei dem international erfolgreichen Feuerverzinker in Gelsenkirchen. Mitten in einer Produktionshalle. Im Werk Gelsenkirchen, wo sonst Trailer-Chassis verzinkt werden, wurde die Produktion extra umgetaktet, damit sich die Halle in einen ganz besonderen Veranstaltungsort wandeln konnte.

"Wir freuen uns, dass die IHK Nord Westfalen unserer Einladung gefolgt ist und ihren dies-jährigen Arbeitskongress in Rahmen unseres Jubiläums ausrichtet", begrüßte der geschäftsführende Gesellschafter von Voigt & Schweitzer, Lars Baumgürtel, die mehreren Hundert Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Schule. "Als Traditionsunternehmen fühlen wir uns einer nachhaltigen Zukunft verpflichtet. Deswegen engagieren wir uns im Verbund mit zahlreichen Unternehmen in der Akzeptanzoffensive In|du|strie – Gemeinsam. Zukunft. Leben., um Informationsdefizite zu beseitigen und die Industrie und ihre Arbeitswelt zeitge-mäß, modern und realistisch einer breiten Gesellschaft zu zeigen. Auch darum steht der heutige Tag ganz unter dem Motto ‚Innovation und Tradition von ZINQ‘." 

Als einer der ersten Gratulanten überbrachte Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky seine Glückwünsche aus dem NRW-Wirtschaftsministerium und betonte die Wichtigkeit der In-dustrie für Nordrhein-Westfalen. "NRW ist das industrielle Kernland Deutschlands. Das verarbeitende Gewerbe und produktionsnahe Dienstleistungen machen über ein Drittel unseres Bruttoinlandsprodukts aus", so Horzetzky. "Deshalb setzen wir alles daran, gute Bedingungen für die Industrie zu sichern. Ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft ist, bei Industrievorhaben die Bürger angemessen zu beteiligen. Denn ohne partnerschaftlichen Dialog lassen sich große Projekte heute kaum noch umsetzen."

Um den Dialog mit der Öffentlichkeit zu intensivieren und die Leistungen der Industrie wieder stärker in den Fokus zu rücken, hat die Initiative "In|du|strie – Gemeinsam. Zukunft. Leben." in den vergangenen Monaten viele, kreative Aktionen rund um die Standorte der Industriebetriebe umgesetzt. Die im Herbst beginnenden "Nachbarschaftswochen der Industrie" sollen die Sichtbarkeit der regionalen Industrie weiter erhöhen und Gelegenheiten zum Gespräch über Industrie bieten. Geplant sind Aktionen wie Tage der offenen Lehrwerkstatt, Beteiligungen an Sport-Events, Schulkooperationen oder lokale Industrietage. „Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie sich die Bewegung ausbreitet und an Breite, Tiefe und Kraft gewinnt", lobte Dr. Benedikt Hüffer, Präsident der IHK Nord Westfalen, das Engagement der Industrie. "Die Aktionsformate sind so facettenreich und kreativ, wie die teilnehmenden Un-ternehmen. Jeden Monat kommt Neues hinzu. Inzwischen ist es sogar gelungen, andere Regionen mit dem Virus Akzeptanzoffensive anzustecken: Eine baugleiche Kampagne gibt es seit einigen Monaten im Kölner Raum."

Neu ist etwa der Industrie-Atlas, der die Präsenz der nord-westfälischen Industrie im Netz steigert. Dieses Angebot auf Basis von Google Maps präsentiert mehr als 300 produzierende und in der Initiative engagierte Unternehmen der Region erstmals auf einer Plattform. Wer sich für Industrie interessiert, weil er dort etwa eine Ausbildung oder ein Praktikum absolvieren möchte, hat so einen leichten Zugang. Geplant ist, den jetzt vorliegenden webbasierten Atlas zeitnah weiter auszubauen und um weitere Inhalte zu ergänzen. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski zeigte sich überzeugt vom Vorgehen der Industrie-Initiative: „Ich bin mir sicher: Eine Industrie, die die Anliegen von Beschäftigten und Kunden, von Anwohnern und Gemeinwesen wahrnimmt und berücksichtigt – die muss sich bei uns keine Sorgen um Akzeptanz machen!“

Dass die Bemühungen der Industriebetriebe erste Früchte tragen, zeigt eine aktuell durchgeführte Umfrage von TNS Emnid zum Image der regionalen Industrie: Bewertete die Öffentlichkeit die Industrie aus Nord-Westfalen zum Start der Initiative im Jahr 2011 mit einer schwachen Drei, steigerte sich der Wert nun leicht auf eine 2,7.  

Dr. Ferdinand Stebner, Marius Mann, Friedemann Karig, Britta Klaile und Fabian Staub (v. l.) im "Studio Jugend"

Wie Industriebetriebe speziell die Jugendlichen besser erreichen können, war ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung. In Zeiten des demografischen Wandels und einer sinkenden Zahl von Schulabsolventen wird die Nachwuchsrekrutierung für Industrieunternehmen zum Top-Thema. Schüler der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen, Dr. Ferdinand Stebner, Lehr-Lernforscher der Ruhr-Universität Bochum, und Marius Mann, Personalentwickler von Voigt & Schweitzer, diskutierten, wie Industriebetriebe – digital und analog – am besten mit Jugendlichen in Kontakt treten können. "Die Präsenz im Internet muss heute für alle Unternehmen zum Standard gehören. Im Internet spricht man den Nachwuchs an und holt ihn ab", so Stebner. "Wollen die Unternehmen jedoch in besonderer Weise auf sich aufmerksam machen und den Nachwuchs für sich motivieren, sollten sie vor allem auch in "reale" Begegnungen investieren." Gute Möglichkeiten seien etwa Kooperationen mit Schulen und Breitensportvereinen. "Sport ist – trotz akutem Zeitmangel der Jugendlichen – nach wie vor eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten", so der Wissenschaftler.

Im Sommer kommenden Jahres wird die Initiative diese Empfehlung in die Tat umsetzen und am 15. August 2015 einen großen Sport-Event organisieren. Beim "1. In|du|strie Drachenboot Cup" im Münsteraner Hafen wollen Mannschaften der regionalen Industrie und Gast-Teams vor allen Dingen eines zeigen: Industrie kann auch richtig Spaß machen.


Fotos: André Chrost

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